Nach der 200 Std. Hatha Grundausbildung (September 16 - Dezember 16) kamen ein kleiner Workshop im Januar, die Yin Yoga Ausbildung im Sommer (Juli 17) und die Vinyasa Ausbildung im September dazu. 

In der Yin Ausbildung habe ich schnell verstanden, dass es Sinn macht, mein eh schon so stark ausgeprägtes Yang auszugleichen. Ich will immer alles sofort, springe von A nach B und hab immer 10.000 Tabs gleichzeitig offen. Ich verschütte mein Wasser, sprinte von der Arbeit ins Yoga und geh danach noch Laufen. Alles, sofort, dreimal so schnell. Yin mit Bernie Clark, den ganzen Artikel dazu findet man hier, hat mein Weltbild auf den Kopf gestellt. Auf einmal hieß es: Langsamer, ruhiger, tiefer. Pause drücken, das Handy und den Kopf auf Standby. Meditieren. Atmen (was war das nochmal?). Puh, das Stillsitzen war ich seit der Schule nicht mehr gewöhnt, das hat viele Emotionen aufgerüttelt. Dennoch habe ich schnell die Vorteile von der Yin Praxis gelernt. Nicht nur Konzentration und Auffassung hat sich verbessert, auch meine Produktivität und mein Optimismus sind auf ein anderes Level geklettert. Auch körperlich habe ich viel von Bernie gelernt, dass Stress auf den Knochen und Bändern einen großen Vorteil hat. Statt zu altern und an Gefässflüssigkeit und Knochen abzubauen, werden die Strukturen aufrecht erhalten und sogar erneuert. Verjüngung quasi, auch für die inneren Organe wie Magen und Darm.

Trotzdem war ich fast süchtig in den letzten Monaten, fast täglich in eine Vinyasa Power Stunde zu rennen. Ich liebe das Feuer, in mir und im Raum. Alles bildet sich und die Energie wächst, in einem Warm up, Sonnengrüßen und einem oder mehreren Flows bis zu einem Peak. Vielleicht war es mir auch einfach nicht mehr genug, nur noch Krieger Variationen zu machen. Ich wollte das volle Programm, Rad, Balancieren, nicht auf den Füßen, sondern auf den Händen, Handstand, usw. 

Vinyasa bot mir die Möglichkeit, die ganze Energie rauszulassen. Und dafür liebe ich es, vom ersten Moment, bis zum "ich wische den Schweiss von meiner Yogamatte". Detoxing für den Körper, den Geist und die Seele.

Und jetzt möchte ich noch zwei Dinge teilen, die mir in den letzten Wochen klar geworden sind. Ich mach das auch, damit ich es später nachlesen kann und es nicht vergesse, haha, ganz eigensinnig.

1. Für Erfolg braucht man immer zwei Komponenten: Motivation und Inspiration.
Motivation ist das, was wir aktiv tun, um Erfolg zu haben. Wenn es darum geht, eine Laufroutine zu etablieren, dann stellen wir uns die Laufschuhe parat neben die Tür, die Laufklamotten ans Bett, damit wenn der Wecker klingelt, es so einfach wie möglich ist. Wenn es zum Beispiel ums Abnehmen geht, kaufen wir nur die gesunden Lebensmittel ein und trocken zum Beispiel alles, was wir essen.
Inspiration ist die andere Seite der Münze: Es ist das Warum. Warum laufen, oder abnehmen? Und es ist kurz gesagt der tiefere Grund dahinter. Nur laufen für einen Halbmarathon reicht nicht. Nur abnehmen für ein Event oder Fotoshooting reicht nicht. Es muss einen tieferen Grund geben. Gesundheit könnte einer sein, denn Gesundheit kann man nicht kaufen, nicht anfassen und oft auch nicht sehen. Es ist ein unsichtbares Etwas, das wir alle haben wollen. Manche finden die Inspiration zu Gesundheit erst dann, wenn es 'ernst' ist und sie zum Beispiel erkrankt sind.

2. Angst. Angst ist eine schlechte Emotion, denken wir. Sie hält uns ab, uns zu überwinden, sie macht uns klein und mit Stress zusammen schüttet sie Cortisol aus, das uns dick macht. Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein, oder jemanden oder sich selbst zu enttäuschen, kennen wir alle. Angst von uns zu stoßen und Situation zu vermeiden, in denen sie aufkommt, kennen wir auch. Lieber nichts zu wagen kann niemanden enttäuschen.
Die Sache ist die: Wir werden nie völlig ohne Angst leben können. Ich merk es selbst im Leben und auf der Matte, wenn ich zum Beispiel Angst habe, in der Krähe auf die Fr... zu fallen. Angst geht nie weg. Auch in sämtlichen Lebenssituationen nicht. Sie wird immer da sein, also ist die einzige Möglichkeit sie zu besiegen, sie in die Arme zu schließen, wie ein kleines Kind. Wer sich der Angst bewusst ist, kann sie als Motivation nutzen und muss sie nicht mehr in gut oder schlecht werten. Sie ist da, fertig. Durch diese Bewusstseinsveränderung erst können wir die Dinge wagen, die wir nie dachten zu schaffen. Egal ob es im Yoga, in der Kletterhalle, beim Bunjee-Jumping oder wo auch immer ist. 

Soviel dazu. Vielleicht war es ja für den ein oder anderen inspirierend. Ach ja, um 7 Uhr morgens Yoga zu machen war definitiv nicht meins. Ich werde wieder auf die Abendpraxis umstellen, das war mehr meins. Ich starte lieber in den Tag mit ruhigen Routinen, wie Tee und Frühstück. 

Danke auf jeden Fall an alle, die diese letzten zwei Wochen zu etwas besonderem gemacht haben, zusammen gelacht und geweint und Tränen gelacht haben, die mir gezeigt haben, wann ich über das Ziel hinausgeschossen bin und die mich gehalten haben, wenn ich die Unterstützung brauchte, besonders an Alyssa, Camilla und Helen.